12.09.2015

Gitschtal - Leben: Teil 3

Eine Zeit Wanderung durch das Gitschtaler Gold

Seit 2008 kann man sie auf ausgewählten Plätzen entdecken: Die mit 23-Karat vergoldeten Gold Sitzsteine von Johannes Angerbauer-Goldhoff. Der gebürtige Oberösterreicher entdeckte bei einem Kuraufenthalt in Weißbriach die Liebe zum Gitschtal und das Potential seine Kunst zu entfalten. Der erweiterte Goldbegriff ist der zentrale Inhalt seines Schaffens. Im Sinne des „Social Gold“ soll bei Gold zuerst an den Menschen gedacht werden. Deshalb fließt ein Teil seiner Erlöse aus Kunstprojekten in soziale Zwecke. Seit mittlerweile sieben Jahren wird die Natur in unserem Tal zu einem Teil seines Schaffens. Ein goldenes Landart Netzwerk breitet sich kontinuierlich vom Gitschtal aus. An ausgewählten Orten blitzen im Sonnenlicht die von ihm vergoldeten Sitzsteine auf und erzeugen eine nachdenklich machende, meditative Wirkung. Michael Linhard besuchte gemeinsam mit Johannes Angerbauer seine Gold Sitzsteine und konnte viel über das Gitschtal aus seinem „Goldenen Zeitalter“ erfahren.

Bereits im 16.Jahrhundert wurden im Gitschtal Edelmetalle und vor allem Gold abgebaut. Großteils sogar für Einheimische verborgen, kennt Angerbauer die zahlreichen Plätze, an denen bis 1768 das wertvolle Edelmetall abgebaut wurde. In dieser Zeit bis ins 19.Jahrhundert erlebte das Gitschtal einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Wichtig dafür waren auch die bekannten Hammerwerke im Gösseringgraben, deren Ruinen bist heute in eben jenem Graben zu sehen sind. Und an diesem Ort findet man auch den ersten Gold Sitzstein von Johannes Angerbauer.

Der Gössering-Gold-Stein
„Ich habe diesen Ort nach Gefühl ausgewählt, der Stein hat hier auf mich gewartet.“, sagt Angerbauer, als wir uns dem Stein näherten. Der erste Gold Sitzstein ist im Gösseringgraben zu finden, man kann leicht daran vorbeigehen, bei Schönwetter allerdings sieht man ihn schon von weitem aufleuchten. „Jeder Stein hat seinen Sinn“, sagt der Künstler lächelnd und setzt sich auf den Gold-schimmernden Stein: „Jeder Mensch, der den Stein berührt, hinterlässt hier seine Spuren. Das ist Social Gold. Nicht der Wert des Blattgolds auf dem Stein zählt, sondern die Menschen die zum Stein kommen, ihn berühren, auf ihm Sitzen oder vielleicht sogar etwas Gold runter kratzen. Diesen Stein gibt es seit 2008 und ich musste ihn noch nie nachvergolden.“

Der Alm-Gold-Stein
Auf der Möselalm findet man den zweiten Goldsitzstein. „Hier muss ich öfter nachvergolden, denn die Kühe lecken das Gold teilweise herunter.“ Der Künstler lacht. „Dieser Stein ist auch mittels Luftlinie mit dem Gailtaler Gold-Schutz-Stein in Rattendorf verbunden. Es sind aber auch alle anderen Steine real und virtuell miteinander verbunden. Ein goldenes Netzwerk das sich durch Oberkärnten zieht. Die meisten Menschen glauben gar nicht, dass sie auf echtem Gold sitzen, was daran liegt, dass wir bei Gold meistens an den Wert oder Geld denken. Wenn wir anfangen zuerst an die Menschen zu denken, wenn wir Gold sehen, zum Beispiel an die, die ihr Leben dafür lassen mussten und die unzähligen Feldzüge in den Zeiten der Kolonisation, dann sind wir auf dem richtigen Weg den Social Gold Begriff zu verstehen und zu festigen.“, erzählt Angerbauer an diesem Stein. Kaum ein Wanderer geht einfach so hier vorbei, die Wirkung des goldenen Steines vor dieser fantastischen Kulisse ist einfach beeindruckend.

Der Sagen-Gold-Stein
Am Wanderweg an der Gössering-Südseite kurz vor St. Lorenzen befindet sich der dritte Stein. Seinen Namen bekam er aufgrund der mit Gold verbundenen Sagen die sich um die umgebende Natur ranken und eines „markanten Gesichtes“ im Stein. „Ursprünglich lag er in der Mitte des Garnitzenbachs. Das Gesicht zeigte er mir erst als er am Ufer der Gössering seinen Ruheort fand“ sagt Angerbauer. „Ich hab diesen vor einer Woche neu vergoldetet und hab dabei ein „Natur-Tatoo“ entdeckt. Vermutlich hat ein Kind ein Blatt auf das Gold gelegt und Sand darüber geschüttet. Genau das ist der Moment wo meine Kunst zur Kunst wird. Nämlich wenn der Mensch mit dem Gold in Kontakt tritt, sich Gedanken dazu macht und es berührt. Das ist der Moment des Social Gold’s.“ Angerbauer hat seine Vergoldung rund um das Blatt gezogen. Durch Wind und Wetter wird das Blatt verweht, das Gold aber bleibt. Er zeigt uns so seine Wertschätzung für eine liebevolle Handlung mit einfachen Naturmaterialien, wahrscheinlich aus Kinderhand geschaffen.

Kommentar
„Wir haben hier dank Angerbauer einen USP, einen Unique Selling Point, der uns von anderen Tälern abhebt. Er hat es geschafft einen modernen Bezug zur Gitschtaler Vergangenheit mit seiner Kunst zu schaffen. Ich bin froh und bedanke mich herzlichst bei Johannes für sein Engagement um unser Tal.“, sagt Ersatz Gemeinderat Linhard dazu.
„Eine touristische Attraktion, ein Mehrwert für unsere Gemeinde. Ich bedanke mich aufs herzlichste bei Johannes Angerbauer, dass er auf eigene Kosten unser jetzt schon „goldenes“ Tal  vergoldet. Ich bitte Ihn darum, auch weiter so engagiert seine Kunst bei uns zu leben.", sagt Tourimusobfrau Gemeinderätin Esther Althersberger.

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